Literatur

Martin Suter: Lila, Lila

Das Jahr hat kaum begonnen und ich habe schon das erste Buch ausgelesen. Juhu! Kann aber auch einfach an dem unglaublich leicht lesbaren Schreibstil von Martin Suter liegen. Aber lest selbst, wie ich seinen Roman „Lila, Lila“ fand.

Worum geht’s?
David, 23, ist ein echter Loser-Typ. Er weiß nicht so recht, was er will im Leben, arbeitet als Kellner in einer trendigen Kneipe in Zürich, und nicht zuletzt hat er auch keinerlei Erfolg bei den Frauen. Dies ändert sich, als er in einem antiken Nachttisch ein fertiges Roman-Manuskript findet. Marie, die ihn vorher keines Blickes gewürdigt hat, verliebt sich in ihn, als er ihr „sein“ Debüt zu lesen gibt. Sie ist sogar so begeistert, dass sie es heimlich an einen Verlag schickt. Das Schlamassel nimmt seinen Lauf. Der Roman schlägt in der Literaturszene ein wie eine Bombe und wird in sämtlichen Feuilletons abgefeiert. David wird zum meist gefragten deutschsprachigen Schriftsteller. Der eigentlich sehr schüchterne Gammler-Typ wird von den Medien als neues literarisches Genie empor gehoben. Doch damit nicht genug: Plötzlich taucht der vermeintliche wahre Autor des Romans auf, der David von nun an dicht auf die Pelle rückt und seinen Anteil einfordert… Wird David es schaffen, seine falsche Identität wieder abzulegen, ohne die Liebe der schönen Marie und seinen Ruhm einzubüßen?

Meine Meinung
Martin Suter hat mit „Lila, Lila“ einen faszinierenden Plot geschrieben, der einen von der ersten Seite an fesselt. Die Frage, ob ein Betrüger mit einem geklauten Roman durchkommt, ohne entdeckt zu werden, lässt einen nicht mehr so schnell los. Immer tiefer verstrickt sich der Protagonist in seinen eigenen Lügen, die er irgendwann nur noch schwerlich aufdecken kann, ohne alles auf’s Spiel zu setzen. Nebenbei weist Suter den Leser mit viel Zynismus in den Literaturbetrieb ein. Anschaulich und mit einem großen Hang zur Satire wird darauf eingegangen, wie schnell sich Literaturkritiker immer auf vermeintlich „herausragende“ Neuerscheinungen stürzen, um in der Folge dieselben hochgelobten Schriftsteller genauso schnell wieder fallen zu lassen. David ist hierbei wie ein Spielball, der durch die hohen Erwartungen der Öffentlichkeit, der Literaturszene und nicht zuletzt auch der seiner Freundin Marie, völlig die Kontrolle über seine eigene Identität verliert.

Negativ ließe sich hingegen aber auch anmerken, dass man während des gesamten Romans nur schwerlich mit dem Verlierertyp David warm wird. Er ist ein sehr passiver Protagonist, der sich einfach zu viel gefallen lässt. Manchmal möchte man ihn am liebsten schütteln und anschreien: „Tu doch mal was! Sag denen, dass du das Buch nicht geschrieben hast. Aber bitte – tu doch einfach irgendwas!“ Dass man dann doch am Ball bleibt, liegt also weniger an einer faszinierenden Hauptfigur, sondern vielmehr an dem leicht zugänglichen Schreibstil Suters und an der Spannung, die im Laufe des Romans aufgebaut wird. Die Schreibe Suters war mir an manchen Stellen fast schon zu simpel. Natürlich ist es auch mal nett einen Roman einfach so herunterlesen zu können („wie die Bildzeitung“, wie mein Deutschlehrer jetzt sehr drastisch sagen würde ;)), aber andererseits fehlt mir dann der literarische Anspruch und Tiefgang. Zu einer herausragenden Erzählung zählt eben auch eine hervorstechende Sprache, die einen überrascht und berührt. Auch wirkt der Roman stellenweise etwas überfrachtet mit Themen und Fragen: Wie fühlt sich ein Mensch, der ständig für etwas gelobt wird, was er gar nicht geschrieben hat? Wie wirkt sich das auf eine Liebesbeziehung aus, die auf einer so essentiellen Lüge beruht? Diese beiden zentralen Fragen rücken im Laufe des Romans bei den (zwar auch amüsanten) ausführlichen Schilderungen von Lesereisen durch die Provinz oder Buchmessen-Besäufnissen leider zu oft in den Hintergrund. Suter hätte sich vielleicht besser entscheiden sollen, ob er die private (die wahrscheinlich spannendere Seite) oder die öffentliche Identität eines Pseudo-Schriftstellers zeigen möchte. So wirkt der Roman stellenweise etwas unentschlossen und uninspiriert.

Fazit
Martin Suters hat ohne Zweifel einen soliden Roman abgeliefert, der sich wunderbar zwischendurch lesen lässt. Es werden amüsante Seitenhiebe auf den Literaturbetrieb ausgeteilt (die mich persönlich etwas daran zweifeln lassen, ob ich in einer solchen Branche tatsächlich arbeiten will ;)). Nebenbei wird eine mitreißende Geschichte eines Verlierers erzählt, der zwar nicht unbedingt Sympathieträger ist, aber dennoch in das Romangeschehen passt. Die Sprache hätte an der einen oder anderen Stelle etwas außergewöhnlicher sein können. Aber was soll’s mit dem Gemecker: Ein Roman, den man durchaus mal lesen kann. Kurzweilige Unterhaltung ist es in jedem Fall.

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    2 KOMMENTARE

  • lemniskatie 5. Januar 2012 Reply

    ja, ich empfand den Roman auch als etwas seichtleicht, daran leidet er eindeutig, das hast du gut analysiert. Als Film mochte ich Lila, Lila mehr. Henry Hübchen spielt hübsch und Daniel Brühl zeigt genial, warum er es nicht schafft ehrlich zu sein. Schütteln will man ihn im Film also nicht.

  • sommerdiebe 5. Januar 2012 Reply

    Danke für den Kommentar! Den Film werd ich mir bei Gelegenheit auch noch angucken. Denke Daniel Brühl ist für die Rolle eines schüchternen Verlierertyps sicherlich ganz gut geeignet 😉

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