Film

Marley (2012)

Marley

Dunkle Dreadlocks, strahlendes Lächeln und locker-leichte Gutelaune-Songs (Jamming, Stir it up, One Love): Dies sind wohl die häufigsten Assoziationen, die man bei dem berühmten Reggae-Musiker Bob Marley hat. Mit seinem neuesten Dokumentarfilm „Marley“ blickt Regisseur Kevin MacDonald (State of Play, The Last King of Scotland) hinter die Fassade der großen Musiklegende. Er zeigt, dass Bob Marley viel mehr war als ein bloßer Feel-Good-Sänger!

In seiner Dokumentation kommen ehemalige Weggefährten und Bandmitglieder zu Wort, ebenso wie Familienmitglieder und die zahlreichen Frauen und Kinder von Bob Marley. Ihre Aussagen schaffen es, einem erstmals einen vielschichtigen und intimen Blick auf die Persönlichkeit des weltberühmten Reggae-Musikers zu vermitteln. Bob Marley – das war eben nicht nur ein stets gut gelaunter Jamaikaner mit Joint im Mundwinkel, der mit leichten Sommermelodien die Massen zu bewegen wusste. Er lebte nach den Prinzipien und Lebensgrundsätzen der sogenannten Rastafaris, einer Glaubensrichtung, die die Bibel grundlegend anders auslegt und sich der Natur sehr stark verbunden fühlt. Zudem bemühte sich Bob Marley stets mit seinen Texten Missstände anzuprangern und nicht zuletzt dadurch politisch etwas zu bewegen. In den Entwicklungsländern Afrikas und auch in seiner von Bürgerkriegen gebeutelten Heimat Jamaika zog er die Menschen mit seinem Charisma an, gab ihnen mit seiner Musik Hoffnung und wird immer noch als Symbolfigur des Widerstands verehrt. Bis heute erklingen seine Songs in erster Linie dort, wo sich politischer Protest regt. Auch dies zeigt die Dokumentation sehr eindrücklich.

Gleichzeitig war er auch ein Mensch, der schon früh Ablehnung (beispielsweise durch seinen Vater) erfuhr und lernen musste sich im Ghetto Trench Town durchzuschlagen. Musik war sein Mittel, Probleme zu verarbeiten und der hoffnungslosen Alltagswelt zu entfliehen. Schon mit 16 entschloss er sich dazu, Musiker zu werden und machte seine ersten Schritte im harten Musikbusiness. Anfangs konnte er von seiner Kunst nicht leben, der Erfolg kam erst gemeinsam mit der von Freunden gegründeten Band The Wailers. Auch wenn Bob Marley stets zielstrebig seine Musikkarriere verfolgte, war er ein Mensch, dem Finanzielles nicht viel bedeutete. An einer Stelle des Films wird er gefragt, ob er reich sei und entgegnet: „Possesions making rich? I don’t have this type of richness. My richness is life.” Eine Aussage, die man ihm angesichts des von ihm verkörperten Rastafari-Lebensstils sofort Glauben schenken mag.

Neben diesem spannenden und mitreißenden Blick in das Leben von Bob Marley begeistert der Film zudem natürlich vor allem durch die eingeflochtene Musik, Aufnahmen von Konzerten, die einem eindrücklich das Reggae-Lebensgefühl vermitteln. Selbst wer vorher dachte, mit Bob Marleys Musik nicht viel anfangen zu können, wird hier eines Besseren belehrt. Der Energie, die von seinen Songs ausgeht, kann man sich nämlich wirklich nur schwer entziehen.

Nach (sehr kurzweiligen) 144 Minuten entlässt einen der Film schließlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Zum einen bedrückt einen das Ende dieses faszinierenden Künstlers, dem der Körper einen Strich durch die Rechnung machte – Bob Marley verstarb bereits mit 36 Jahren. Diagnose: Krebs. Zum anderen beeindruckt dieser enorme Lebenswille, diese Lebensphilosophie, die sich auf das Wohl anderer richtet und eigene Bedürfnisse zurück stellt, diese enorme Energie eines Menschen, der mit seiner Musik die Welt verändern wollte. Somit verlässt man das Kino doch einigermaßen beschwingt, mit dem einen oder anderen Marley-Song im Ohr – und mit einer einfachen, aber wichtigen Botschaft: Das Leben ist schön. Genießen wir es, solange wir können! Und bloß nicht immer über jede Kleinigkeit aufregen. Oder um es mit einer Liedzeile Bob Marleys zu sagen: „Don’t worry about a thing! ‚Cause every little thing gonna be all right!”

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    3 KOMMENTARE

  • […] Dunkle Dreadlocks, strahlendes Lächeln und locker-leichte Gutelaune-Songs: Dies sind wohl die häufigsten Assoziationen, die man bei dem berühmten Reggae-Musiker Bob Marley hat. Mit seinem neuesten Dokumentarfilm “Marley” gelingt Regisseur Kevin MacDonald ein bewegendes und vielschichtiges Porträt einer großen Musiklegende. Hier geht’s zu meiner Rezension. […]

  • Sidenstein Film 19. Mai 2012 Reply

    Was bin ich so gespannt auf den Film. Wird sicherlich ein echtes Meisterwerk werden

  • Selene 19. Mai 2012 Reply

    „Redemption song“ – dieses Lied spricht vom Leben und Ansichten Bob Marleys mehr als als jedes andere. Auf der einen Seite ein geistesreicher Outsider – auf der anderen, neben Bob Dylan, James Dean oder Marilyn Monroe, einer der Hauptfiguren der Popkultur.

    Der Film wird sicherlich sehr interessant.

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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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