Film

Take This Waltz (2011)

take-this-waltz-still2-1

Eigentlich ist alles so, wie man sich es wünschen könnte. Die 28-jährige Margot (Michelle Williams) lebt seit 5 Jahren mit ihrem Ehemann Lou (Seth Rogen), einem Kochbuchautor, in einem gemütlichen Haus, zwar ohne Kinder – doch das Idyll ist perfekt. Margots Gefühls- und Seelenleben wird aber gehörig durcheinander gewirbelt, als sie auf einer Geschäftsreise dem charmanten Lebenskünstler Daniel (Luke Kirby) kennenlernt. Sie verstehen sich auf Anhieb gut, führen zwar zunächst banale Gespräche, etwa über die Angst auf Flughäfen umzusteigen oder die Gewohnheit im Flugzeug Milch zu trinken – doch irgendwas ist da. Eine unsichtbare Anziehung, der sich beide nur schwer entziehen können. Der Zufall (oder das Schicksal?) will es, dass sie schließlich bei der Ankunft in Toronto sogar feststellen müssen, dass sie Nachbarn sind!

„Scheiße“, flucht Margot als sie sich an ihrer Wohnungstür nochmal umdreht und sieht, dass Daniel tatsächlich direkt gegenüber wohnt. Es ist ein resigniertes Fluchen, denn sie wird sich bewusst, dass sie diesem Mann, anziehend wie er ist, in nächster Zeit nicht mehr so leicht aus dem Weg gehen wird. Ob sie will oder nicht, sie muss sich mit ihrer Unzufriedenheit, die sie bisweilen in der Ehe zu dem treuen, aber auch ein bisschen langweiligen Lou ereilt, auseinandersetzen.

Einen ganzen Sommer lang, den die Kamera mit beeindruckend leuchtenden Farben einfängt, sehnt sie sich nach ihrem Nachbarn, lauert wie ein Teenager morgens auf der Veranda auf ihren Schwarm, um ihn bloß nicht zu verpassen. Sie versucht sich abzulenken und sich auf ihren Mann zu besinnen, mit dem sie zwar liebevolle Zärtlichkeiten und alberne Gemeinheiten austauscht, aber bei dem sie nach über 5-jähriger Beziehung kaum noch Nervenkitzel verspürt. Nervenkitzel, der Lou für sie repräsentiert. Dieser ist unkonventionell, wie er sich tagsüber mit seiner Rikscha seinen Lebensunterhalt verdient. Mit ihm verbringt Margot schließlich doch immer mehr Zeit, während ihr kochender Mann ein Hühnchen nach dem anderen in den Ofen schiebt.

Sarah Polleys zweite Regiearbeit „Take This Waltz“ kreist um eine der großen Fragen der Liebe: Was tun, wenn in einer Beziehung die Anziehungskraft schwindet und sich stattdessen immer mehr die Leere ausbreitet? Was tun, wenn die Beziehung (scheinbar?) ihr Verfallsdatum erreicht hat? Margot, mit perfekter Naivität aber auch tiefer Zerrissenheit perfekt gespielt von Michelle Williams, steckt genau in dieser Krise, aus der sie sich letztendlich nur selbst wieder herausmanövrieren kann. Sie muss eine Entscheidung treffen: altes oder neues Glück? Vertrautheit oder Nervenkitzel? Wie sie sich entscheidet, sei an dieser Stelle nicht verraten. Vielmehr sei darauf verwiesen, welche Bilder und Metaphern „Take This Waltz“ für die Unsicherheit seiner Protagonistin findet. Lange in Erinnerung bleibt hierbei sicher das Kreismotiv, das sich durch den gesamten Film zieht: Am Ende eines schönen Tages sitzen Margot und Daniel auf dem Rummel in einem Karussell. Es ist bunt, es blinkt, aus den Lautsprechern dröhnt der poppige 80er Song „Video Killed the Radio Star“. Sie schauen sich verliebt an, lachen ausgelassen. Das Karussell dreht sich immer schneller. Doch plötzlich: die Musik geht aus. Grelles, kaltes Licht. Vorbei. Ernüchterung. Ein Mitarbeiter des Karussells öffnet die Türen. Margot und Daniel schauen sich enttäuscht an. Illusion und Wirklichkeit liegen oft nah beieinander. Das Ende kann schneller kommen, als man es sich wünscht. Ein treffendes Bild für so ziemlich jede zwischenmenschliche Beziehung. Letztendlich wird sich aber nicht nur das Liebes-, sondern auch das Lebenskarussell immer weiter drehen. Doch erst hinterher ist man schlauer, welche Entscheidung richtig und welche falsch war. Und ob es überhaupt so etwas wie ein Richtig oder ein Falsch gibt.

||||| 0 Gefällt mir |||||

Tags:           

    2 KOMMENTARE

  • […] von der jüngst sehr erfolgreichen und irgendwie im Kino allgegenwärtigen Michelle Williams. Meine Rezension lest ihr im Farbfilmblog. Noch was? Achja. Ab morgen findet in Leipzig ja wieder die Buchmesse […]

  • […] und rubinrote Giganten Cinema Forever: Die Croods – Familie Feuerstein 2.0 Farbfilmblog: Take This Waltz Fünf Filmfreunde: Reviews: Die fantastische Welt von Oz, Hänsel & Gretel, The Crime, Hüter […]

what do you think?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Instagram

  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
.
#dhmrevolution #russland #russischerevolution #1917 #history #geschichte #museum #berlinkultur #kultur #russia #art #culture #berlinstagram #dhm #dhmberlin #kulturblog #architektur #architecture #pei #peibau #archigram #berlin365
  • #Charlottenburg hat einfach die schönsten Kinos. Hier war ich gestern im altehrwürdigen #CinemaParis, das sich in seinem Programm vor allem auf französischen #Arthouse konzentriert. Ich hab mir Hanekes neuen Film "Happy End" angesehen... Schwer verdaulich, bedrückend, also definitiv ein Film, der nachwirkt. Mehr dazu bald im Blog.
.
.
#berlin #kultur #kudamm #cinema #filmfilmfilm #haneke #frenchfilms #frenchcinema #movie #movienerd #chic #fastwieinparis #frankreich #frankophil #berlinstagram #culture #schönekinosäle #imlovingit #filmlover #artcinema #programmkino
  • Hände hoch: Wer beobachtet auch gerne Menschen? ✋ 😉 Vicki Baum hat genau dies für ihren Roman #MenschenimHotel gemacht und beschreibt, welche Persönlichkeiten in einem mondänen Hotel im Berlin der 1920er Jahre aufeinandertreffen. Unterhaltsam, pointiert, humorvoll, aber auch mit Tiefgang erweckt Baums Roman auch heute noch die ganz besondere Atmosphäre der "Goldenen Zwanziger" zum Leben. Meine Rezension lest Ihr im Blog -> #linkinbio
.
.
#Zwanzigerjahre #vickibaum #Berlin #berlinroman #Roman #lesen #buch #bookstagram #goodoldtimes #Retro #20s #1920s #roaringtwenties #weimarerrepublik #Großstadt #novel #booknerd #bookaddict #Buchtipp #read
  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
#picassomuseum #heinzberggruen #berlin #kultur #museum #kunst @staatlichemuseenzuberlin #charlottenburg #art #architecture #archigram #immuseum #surrealismus #kubismus #architektur #architecturelovers #kulturblog #sunday #visitberlin #berlin365 #berlinstagram #artgallery #artlover #artgeek
  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
.
.
.
#ilovehim #lieblingsautor #sommerdiebe #kaltblütig #anderestimmenandereräume #unddannerstseinekurzgeschichten #inlovewithliterature #booknerd #igreads #bookstagram #bookaddict #trumancapote #americanwriter #goodlooking #verysmart #dandy #blackandwhite @kaprizioesblog
  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
.
.
.
#bookstagram #booksyoushouldread #frankreich #politik #buch #lesen #houellebecq #booknerd #bookaddict #booksthatmakeyouthink #buchtipp #read
  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
#bookstagram #shelfie #buchregal #bücher #billy #colourful #books #igreads #lesen #bücherliebe #literaturliebe #literature #booknerd #bookshelf #myhome #bloggerlife
  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
#bookstagram #sylviaplath #femalewriters #literature #lesen #booknerd #books #americanliterature #bookaddict #bücher #bookblogger #igreads @kaprizioesblog #buchliebe #literaturliebe
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de