Literatur

Lesen 2014 – Mein persönlicher literarischer Jahresrückblick

Russische Literatur

Wieder ein Jahr vergangen und da es nur noch wenige Tage bis 2015 sind und einige ja vielleicht auch noch auf der Suche nach Geschenk-Inspirationen für Literaturliebhaber sind, kommt hier wieder mein persönlicher Rückblick auf mein literarisches Jahr. Ich habe zwar 2014 weitaus weniger gelesen als in so manch anderem Jahr, aber das wird sich vielleicht ja auch bald wieder ändern – spätestens nach der Masterarbeit. Hier also mein Jahr in Büchern: Meine persönlichen Lese-Favoriten dieses Jahr (Top 3) Keine leichte Entscheidung, da mir in diesem Jahr einige starke Werke begegnet sind, aber auf diese würde ich mich mal festlegen:

  1. Giuseppe Tomasi di Lampedusa – Der Gattopardo

Der GattopardoDieses Werk habe ich in meinem Blog schon öfter erwähnt, einfach – weil, es einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlässt! Deshalb kommt es auch in diesem Rückblick erneut ganz nach oben auf die Liste. Giuseppe Tomasi di Lampedusa beschwört in seinem Sizilien-Roman mit einer faszinierenden Sprache den Zauber einer vergangenen Epoche herauf und zeigt wie kein anderer das Wesen des Sizilianers, dem es am allerliebsten ist, wenn alles bleibt, wie es ist. Bezeichnend ist dann auch der sehr oft zitierte Satz aus dem Roman: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern.“ Oberflächlich werden Reformen angestrebt, am Ende siegt jedoch doch der Stillstand und die Trägheit. Auch im heutigen Sizilien noch sehr gut im Alltag nachvollziehbar…ich weiß, wovon ich spreche 😉

  1. Michail Bulgakow – Der Meister und Margarita

Der Meister und Margarita Stand auf der Leseliste – und tatsächlich habe ich es in diesem Jahr geschafft, dieses besondere Buch zu lesen. Sehr skurril – dies erschwerte gerade am Anfang die Lektüre etwas, doch bald hatte mich der Plot gepackt: der Teufel und seine Gehilfen stürzen Moskau in ein heilloses Chaos. Bulgakow zeichnet eine sehr treffsichere und teils bittersüße Satire auf die damalige sowjetische Gesellschaft, die nicht selten von unnötig komplizierter Bürokratie (wer kennt sie nicht?) und Feigheit des Einzelnen geprägt war. Einige der besonders eindrücklichen Figuren wie der fette Riesenkater Behemoth bleiben im Gedächtnis haften und machen diesen Roman zu einer zwar amüsanten, aber auch nachdenklich stimmenden Lektüre – da man ahnt, dass vieles, was hier karikiert wird, sicher in Wirklichkeit nicht immer so zum Lachen war. Sicher ein Buch zum immer wieder lesen, da man die unzähligen Anspielungen wohl unmöglich gleich bei der ersten Lektüre fassen kann. Achja, und seit ich mal zufällig las, dass die Rolling Stones sich mit ihrem Song „Sympathy for the Devil“ auf Bulgakows Roman beziehen, höre ich dieses Stück Popgeschichte auch anders.

3. Truman Capote aucapote_aufreisenf Reisen

Der Titel dieses Blogs verrät es ja schon: ja, Truman Capote lässt mich nicht los. Er ist einfach ein verdammt talentierter Schriftsteller mit noch so vielen Texten, die es zu entdecken gilt. Im Sommer fiel mir das schöne Bändchen „Truman Capote auf Reisen“ in die Hände, was mich auf der Stelle auch von seinem Geschick für unterhaltsame Reisereportagen überzeugte. (wie ich hier dann auch schrieb) Schöne leicht und flockig geschriebene Texte, die sich sehr gut zwischendurch lesen lassen. Schade nur, dass das Buch so schnell ausgelesen war.

Liebster Kurzgeschichten-Band

munro Romane zu lesen ist immer auch mit Zeit verbunden. Natürlich liest sich ein Roman mit unzähligen Figuren und komplexerem Handlungsgefüge nicht immer so schnell runter, wie eine Kurzgeschichte. Dachte ich. Bis ich Alice Munro las. Ihre Kurzgeschichten, für die sie 2013 ja auch den Literaturnnobelpreis verliehen bekam, sind zwar sehr komprimiert, aber dennoch atmosphärisch so dicht, teilweise auch mit rätselhaftem Ende, so dass sie den Leser noch über die Lektüre hinaus beschäftigen. Wie ist das gerade Gelesene zu deuten? Munros handwerklich gut geschriebenen Erzählungen genießt man am besten in kleinen Portionen, immer nur eine Geschichte, dann Pause. So entfalten sie ihre literarische Kraft und lassen umso mehr Raum für eigene Reflexionen und Interpretationen.

Lieblingsbuchcover Basil and Josephine

F. Scott Fitzgerald – Basil and Josephine

Dieses Buch ist mir am Bahnhof in Rom aufgefallen. Mit seinen goldenen Verzierungen und dem 20er-Jahre-Art Deco-Stil habe ich es sofort in mein Herz geschlossen und – gekauft! Die enthaltenen Kurzgeschichten zählen zu F. Scott Fitzgeralds Frühwerk, sind vielleicht noch nicht ganz so aufgereift wie späteres von ihm, aber auf jeden Fall lesenswert. Anders als der Einband vermuten lässt, handelt es sich nicht um ein Liebespaar (Basil and Josephine), sondern um Erzählungen, die die beiden Figuren individuell in ihrem Alltag und ihren Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens beleuchten.

Lesenswerte denkwürdige Worte über das Schreiben: „You don’t write because you want to say something, you write because you have something to say.“ (F. Scott Fitzgerald)

Schönster Zufallsfund

Siegfried Kracauer – Über die Freundschaft freundschaft

Ich war eines Morgens auf Masterrecherchen in der Jenaer Uni-Bib, wollte eigentlich nur zum Siegfried-Kracauer-Regal, weil dieser bekannterweise ja ein bekannter Filmkritiker und -theoretiker war und somit durchaus auch für meine Masterarbeit interessant sein könnte. Das Buch, was ich eigentlich gesucht hatte, war dann doch nicht so hilfreich, aber: das, was daneben im Regal stand, faszinierte mich schon durch den Titel: Über die Freundschaft. Kurzerhand wanderte es in mein Bibliothek-Körbchen – und einmal reingelesen – war an Masterarbeit nicht mehr zu denken. Die nächsten 2 Stunden geriet ich einen Sog, in dem ich alles um mich herum vergaß und nur noch dachte: wow, wie viel Wahres, wie viele inspirierende Gedanken stecken doch in diesem Buch! Kracauer beschäftigt sich in philosophischer Manier, aber auch sehr anschaulich mit einem der tiefsten Gefühle, die ein Mensch für einen anderen Menschen empfinden kann. Am Ende dieses Masterarbeit-Morgens hatte ich zwar fast nichts für meine Arbeit geschafft, umso schöner war es jedoch, so einen bereichernden Zufallsfund gemacht zu haben!

3 Autoren, die ich auch 2015 im Auge behalten werde Luigi Pirandello

1. Luigi Pirandello

Auf diesen sizilianischen Autor bin ich dieses Jahr zufällig durch ein Seminar gestoßen. Mich hat die Sprache seiner Erzählungen sehr beeindruckt, ebenso wie sein Gespür für besondere nahezu mystisch und irreal wirkende Stimmungen. Mit „Mattia Pascal“ möchte ich im neuen Jahr unbedingt auch mal einen seiner Romane lesen. Dieser dreht sich um einen Protagonisten, der für tot gehalten wird und so endlich die Chance hat mithilfe einer anderen Identität ein neues Leben zu beginnen. Klingt spannend. Ich bleib Pirandello auf den Fersen.

2. Truman Capote

Einer meiner Lieblingsautoren, deshalb bin ich mir sicher, dass ich dessen Texte auch in Zukunft weiter verschlingen werde. Auf dem Bücherflohmarkt truman_capotehabe ich neulich seinen Roman „Andere Stimmen, andere Räume“ gefunden, dieser steht auf jeden Fall auf der Leseliste für 2015. Der Roman galt lange als eigentliches Debüt, bis „Sommerdiebe“ auf einem Dachboden auftauchte und sich als wirkliches Erstlingswerk herausstellte. Thematisch dreht sich „Andere Stimmen, andere Räume“ um einen 13-Jährigen, der nach dem Tod seiner Mutter unverhofft nach Alabama zu seinem Vater ziehen muss und sich dort nur sehr zögerlich an das bestehende Familienleben auf dem Lande gewöhnen kann. Verlorenheit, die Suche nach sich selbst, der Roman soll auch viel Autobiographisches enthalten. Sicher keine leichte Kost, aber ich freu mich schon darauf, weiter in Capotes Seelenwelten einzutauchen.

 

 

 

 

Russische Literatur

3. Die Russen

Ich sag das mal so profan daher: Aber für mich stellen russische Schriftsteller einfach eine ganz besondere Kategorie dar, sodass ich mich gar nicht auf einen Schriftsteller festlegen will! Dostojewskij, Turgenjew, Tschechow…diese Autoren stehen weiter auf der langen Liste. Mit Bulgakow hatte ich dieses Jahr ja schon ein wunderbares Leseerlebnis, dies soll unbedingt weiter gehen. Die Russen haben es mir definitiv mit ihrer Melancholie, ihrer lakonischen Sprache aber auch mit ihrem außergewöhnlichen, teils zynischen Humor angetan.

Und was habt ihr in diesem Jahr gelesen? Was hat euch besonders gefallen? Welche Bücher stehen auf eurer Liste für 2015? Schreibt ’nen Kommentar, ich freu mich!

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    5 KOMMENTARE

  • schurrmurr 14. Dezember 2014 Reply

    Hallo, das macht ja richtig Lust aufs Lesen.
    Liebe Grüße
    Schurrmurr

  • absolutpia 14. Dezember 2014 Reply

    Hallo, toller Bücherjahresrückblick 🙂
    Ich habe dieses Jahr Paulo Coelho für mich entdeckt. Lese gerade das 3 Buch von ihm. Außerdem habe ich heuer auch 3 Dürrenmatt Bücher gelesen und in der Schule das Buch Faust von Goethe, welches mir durchaus gefallen hat 🙂

    Lg aus Wien
    PS: habe auch schon einen persönlichen Jahresrückblick auf meinem Blog veröffentlicht. Vielleicht hast du Lust mal vorbeizuschauen.

  • Xeniana 14. Dezember 2014 Reply

    Vielen Dank für die schönen Buchbesprechungen. Bulgakow steht nun ganz oben auf meiner Wunschliste. Viele Grüße Xeniana

    • sommerdiebe 14. Dezember 2014 Reply

      Oh, das freut mich. Viel Spaß beim lesen 🙂

  • […] Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. Wie schon 2013 und 2014 möchte ich auch in diesem Jahr in meinem Blog auf mein persönliches Lesejahr zurückblicken. […]

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  • Meine aktuelle Lektüre: "Konzert ohne Dichter" von Klaus Modick. Schön geschriebener Künstlerroman über den Jugendstilmaler Heinrich Vogeler, den doch sehr exzentrischen Rilke und andere Worpswede-Künstler. Den passenden Lesetisch hab ich witzigerweise neulich in einem Café gefunden. (Als wäre er für die Lektüre dieses Buchs gemacht worden, oder? ;))
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  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
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  • #Charlottenburg hat einfach die schönsten Kinos. Hier war ich gestern im altehrwürdigen #CinemaParis, das sich in seinem Programm vor allem auf französischen #Arthouse konzentriert. Ich hab mir Hanekes neuen Film "Happy End" angesehen... Schwer verdaulich, bedrückend, also definitiv ein Film, der nachwirkt. Mehr dazu bald im Blog.
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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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