Film

Das Salz der Erde (2014)

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Ein Arbeiter inmitten des geschäftigen Menschengewimmels einer brasilianischen Goldmine. Es war ein magischer Moment, als Wim Wenders dieses Foto des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado in einer Galerie entdeckte. Er konnte es nicht erklären, aber das, was er dort vor sich hatte, berührte ihn zutiefst. Wenders wollte mehr über das Werk Salgados erfahren und den Menschen hinter den bewegenden Schwarzweiß-Bildern kennenlernen. Die Dokumentation „Das Salz der Erde“ ist das Ergebnis langjähriger Recherchen und Begegnungen mit dem Künstler und von der ersten Minute an wird dem Zuschauer klar, wie sehr es sich bei Wenders‘ Film um ein Herzensprojekt handelt.

Sebastião Salgado wuchs in der brasilianischen Provinz auf, begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, musste aber schon bald aufgrund politischer Unruhen aus seiner Heimat nach Europa fliehen. In Paris entdeckte er seine große Passion, die ihn fortan nicht mehr loslassen sollte: die Fotografie. Erste Auslandsreportagen folgten. Salgado schreckte hierbei nie vor Krisenregionen zurück, vielmehr fühlte er sich von Beginn an angezogen von den sozialen Missständen, wollte diese mit seinem persönlichen fotografischen Blick dokumentieren. Seine oft langjährigen Reisen führten ihn beispielsweise nach Afrika, wo er unmittelbar mit den Folgen schwerer Hungersnöte und Bürgerkriege konfrontiert wurde.  Diese Fotos sind gnadenlos und teilweise stark an der Grenze dessen, was der Betrachter aushalten kann: extreme Armut, ausgehöhlte und von schwerer Krankheit gezeichnete Gesichter, ausgezehrte Leichen tausender von Hungertoten, durch endlose Wüsten irrende Flüchtlinge. Über allem schwebt die Frage: wie ist es möglich, anderen Menschen so viel Leid anzutun? Denn gerade einige der Hungersnöte wurden aus politischem Kalkül verschlimmert, wie Salgado später kommentiert. Auf sehr persönliche Art und Weise verweist Salgado immer wieder auf seine Fotos, erzählt die Geschichte hinter den nahezu unfassbaren Momentaufnahmen aus dem Herz der Finsternis. „Wir sind bösartige, schreckliche Tiere, wir Menschen […]. Überall sind wir extrem gewalttätig“, sagt er. Und doch stürzte er sich nach jedem Fotoprojekt in ein weiteres, so entstand etwa die Serie „Workers“. Diese widmete er Arbeitern rund um die Welt, die unter menschenunwürdigen Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienten, so etwa beim Löschen großer brennender Ölfelder in Kuwait. Wie soll man als Künstler bei so viel Leid auf der Welt nicht den Glauben an das Gute verlieren?

Tatsächlich trat dies bei Salgado ein, seine psychische Gesundheit verschlechterte sich, zu tief hatte er in die Abgründe der menschlichen Zivilisation geblickt. Zutiefst desillusioniert zog sich der Künstler auf das Landgut seiner Kindheit zurück, um seine Berufung neu zu überdenken. Doch auch in seiner Heimat wurde er mit Problemen konfrontiert: ausgedörrte Landschaften, gerodete Regenwälder, die Idylle seiner Kindheit: längst passé. Gemeinsam mit seiner Frau wagte er ein nahezu größenwahnsinniges Projekt: den Regenwald wieder neu aufforsten, das Paradies von einst wiederaufbauen! Diese schöpferische Pause gab Salgado neuen Lebensmut, positive Energie, die ihn schließlich doch wieder zu seiner fotografischen Leidenschaft zurückführte. Bei seinem neuen Projekt „Genesis“ (derzeit zu sehen im C/O Berlin) handelt es sich um eine Hommage an die Schönheit des Planeten, an die unberührten Paradiese, in denen die Natur sich noch voll und ganz entfalten kann. Endlose Wüsten, faszinierende Eis- und Gletscherlandschaften, Exkursionen durch die Unweiten des südamerikanischen Regenwalds: mit ebenso überwältigender Kraft fängt Salgado diese nahezu unbevölkerten Regionen ein und weiß auch mit diesen Landschaftsaufnahmen zu berühren.

„Das Salz der Erde“ ist ein sehr berührender Dokumentarfilm, der einen umfangreichen Blick auf das Werk und den Künstler Salgado eröffnet. Seine sozialdokumentarischen Fotos wühlen auf, bleiben in all ihrer menschlichen Härte im Gedächtnis haften. Wenders wurde nicht zu Unrecht mit dem Auslandsoscar nominiert. Sein Film rückt vor allem die unbequemen, aufrüttelnden Bilder aus Salgados Oeuvre in den Fokus und transportiert dadurch die schmerzhafte und drastische Botschaft des Fotografen in das filmische Medium.

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    1 KOMMENTAR

  • […] Sebastião Salgado lässt mich so schnell nicht wieder los. Daher hab ich mir kurz nach dem Besuch der Ausstellung auch noch Wim Wenders’ Dokumentation über den beeindruckenden Fotografen angesehen. „Das Salz der Erde“ ist ein sehr berührender Dokumentarfilm, der einen umfangreichen Blick auf das Werk und den Künstler Salgado eröffnet. Aufwühlend, ein Schlag in die Magengrube – aber gerade deshalb uneingeschränkt sehr zu empfehlen! Nachdem ich den Film erstmal etwas sacken gelassen habe, kommt hier meine Rezension im Farbfilmblog! […]

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