Literatur Theater & Musik

Theater: Houellebecqs „Unterwerfung“ im Deutschen Theater Berlin

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Den Roman „Unterwerfung auf die Bühne bringen – sicher kein leichtes Unterfangen. Doch aus genau diesem Grund war ich auch sehr gespannt, wie Houellebecqs Untergangsvision vom Deutschen Theater adaptiert werden würde.

Stephan Kimmigs Inszenierung setzt auf ein recht schlichtes, steriles und nahezu unwirklich erscheinendes Bühnenbild: Ein großer weißer Krankenhausraum mit einigen wenigen Requisiten wie einem Klinikbett und einem modernen Drehstuhl. Protagonist Francois (Steven Scharf), im Buch wie auf der Bühne ein lustloser und vereinsamter Intellektueller, wirkt in diesem kargen Raum tatsächlich von Anfang an sehr verloren. Francois – so legt das Theaterstück nahe – steht stellvertretend für die Krise, in der Europa gerade steckt, zeigt die Verlorenheit von Intellektuellen, in einer Zeit, in der Statussymbole und der Kontostand das Wichtigste sind und die Religion keinen Halt mehr zu geben scheint.

Ausgehend von dieser „Krankenhaussituation“, in der die Hauptfigur immer wieder Besuch von den unterschiedlichsten politischen Anhängern bekommt – von den Identären, von der Rechtspopulistin Le Pen oder später vom neuen Präsidenten Ben Abbes – werden dem Zuschauer Stück für Stück Houellebecqs Thesen präsentiert. Die Handlung des Romans wird nicht immer 1:1 chronologisch auf der Bühne erzählt – für Romanleser ist das kein Problem, für alle anderen an der einen oder anderen Stelle aber bestimmt durchaus verwirrend. Die Theaterinszenierung ist mit Vorwissen sicher um einiges besser zu verstehen – denn die insgesamt 5 Schauspieler (mit Ausnahme der Hauptfigur) spielen immer gleich mehrere Rollen. So schlüpft beispielsweise Lorna Ishema innerhalb von wenigen Momenten in die Rolle einer Krankenschwester, wettert als Marine Le Pen gegen die EU oder mimt wenige Augenblicke später die verführerische Freundin von Francois – die junge Studentin Myriam. Dies gibt dem Stück insgesamt viel Dynamik und sorgt für Abwechslung in dem doch sehr handlungsarmen Stück.

Denn  – dies ist sicher die große Schwierigkeit bei der Adaption von „Unterwerfung“: Houellebecqs Roman ist ingesamt ein sehr theoretischer Roman, besteht aus Thesen und gibt den meisten Figuren lediglich den Raum, ihren Standpunkt zu erläutern. Ich erinnere mich noch selbst meine Lektüre von „Unterwerfung“ und an die sehr dialoglastige Struktur des Romans. Das Theater lebt als Medium hingegen mehr von der Aktion auf der Bühne. Im Großen und Ganzen ist es Regisseur Stephan Kimmig zwar ohne Zweifel gelungen, Houellebeqcs Thesen zu verdeutlichen – sie in einer Art Schnelldurchlauf auf die Bühne zu bringen. Gleichzeitig würde ich mich jedoch auch der Meinung vieler Rezensenten anschließen, dass Houellebecqs Stoff an diesem Abend ein wenig die Provokation und Brisanz genommen wurde. Oder entsteht dieser Eindruck, weil unterdessen schon so viel über „Unterwerfung“ diskutiert wurde?!
Die Inszenierung ließ mich zwar nicht kalt und lieferte mir durchaus genug Denkstoff für den Heimweg – um Houellebecqs Zukunftsvision und seine Thesen zum Zustand der modernen westlichen Gesellschaft jedoch gänzlich zu erfassen, führt dennoch kein Weg an der Lektüre seines Romans vorbei.

Unterwerfung (Regie: Stephan Kimmig)
nächste Termine:
7. , 16. und 29. Juni 2016

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