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Literatur in 300 Wörtern (42): Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells - Vom Ende der Einsamkeit

Inhalt in 3 Sätzen: Der tödliche Autounfall ihrer Eltern wirft das Leben der Geschwister Jules, Liz und Marty von einem Tag auf den anderen völlig aus der Bahn. Die drei kommen auf’s Internat, wo sie sich nicht nur voneinander entfernen, sondern auch jeder seinen eigenen Umgang mit dem tragischen Tod der Eltern findet. Vom Ende der Einsamkeit verfolgt das Schicksal der Figuren von der Kindheit bis zum Erwachsenenleben und erzählt von Verlust, Isolation und der ewigen Suche nach Geborgenheit.

Lieblingszitat: „Das Selbst muss gebrochen werden, um Selbst zu werden.“ „Und das heißt?“ Sie krauste die Stirn. „Nunja, man kommt auf die Welt und wird geprägt von seiner Umwelt, den Eltern, von Schicksalsschlägen, Bildung und zufälligen Erfahrungen. Irgendwann sagt man dann wie selbstverständlich: ‚Ich bin so und so.‘, meint damit aber nur seine Oberfläche, sein erstes Ich. […] Um sein wahres Ich zu finden, ist es notwendig, alles in Frage zu stellen, was man bei der Geburt vorgefunden hat. Manches davon auch zu verlieren, denn oft lernt man nur im Schmerz, was wirklich zu einem gehört…Es sind die Brüche, in denen man sich erkennt.“

Benedict Wells‘ Roman Vom Ende der Einsamkeit nähert sich seinen Figuren auf sensible Weise und stellt in seiner Erzählungen vor allem die Gedanken und Gefühle der Hauptfigur Jules in den Vordergrund, Dieser ist ein hoffnungloser Träumer und Romantiker, der sich nach dem Tod der Eltern sehr stark von seiner Umwelt zurückzieht und lieber seinen Grüblereien widmet. Der Roman wird größtenteils aus seiner Sicht erzählt und berichtet von seiner Sehnsucht nach Nähe sowie der Schwierigkeit das dunkle Kapitel seiner Kindheit hinter sich zu lassen und zu seiner alten Unbeschwertheit zurückzufinden.

Dass sich die Erzählung so sehr der Hauptfigur widmet und die Schicksale der beiden Geschwister nur oberflächlich beleuchtet, ist zugleich aber auch die größte Schwäche des Romans. Zuweilen wirkt Vom Ende der Einsamkeit etwas unentschieden, wenn nur der Vollständigkeit halber ab und zu noch von der exzentrischen Schwester Liz und dem Nerd-Bruder Marty die Rede ist. Diese beiden Figuren wirken meiner Meinung nach an der einen oder anderen Stelle doch etwas klischeehaft. Gleichzeitig punktet der Roman jedoch gerade in den Jules-Abschnitten der Geschichte mit sehr berührenden Textstellen – nach einigen Längen im Mittelteil sorgen spätestens die Schlussabschnitte für Beklemmung und Gänsehaut. Alles in allem ein Buch, das sich durch seinen flüssigen Schreibstil innerhalb weniger Tage verschlingen lässt – wenn auch mit kleineren Schwächen in der Charaktergestaltung.

Dieses Buch ist für Leser, die eine nachdenklich stimmende Familiengeschichte lesen möchten. Vom Ende der Einsamkeit ist nicht nur ein kraftvolles Plädoyer für die Familie, sondern zeigt auch sehr eindrucksvoll, wie die drei Hauptfiguren auf die unterschiedlichste Weise mit einem tragischen Ereignis umgehen und mit der Vergangenheit abschließen.

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    2 KOMMENTARE

  • Ach Deborah, herzlichen Dank für Deine Zusammenfassung und das feine Zitat. Eine Freundin hat mir das Buch Ende Juni in die Hand zum lesen gedrückt, seither liegt es da – unangetastet. Nun mag ich mehr erfahren von Jules, Liz und Marty. Herzliche Grüße Daniela

    • Deborah 16. Juli 2017 Reply

      Das freut mich sehr 🙂 Kenn ich auch nur zu gut, manchmal dauert es, bis manche Bücher zu Ehren kommen. Wünsche dir eine schöne Lektüre 🙂

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