Literatur

Literatur in 300 Wörtern (38): Delphine de Vigan – Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan: Nach einer wahren Geschichte

Inhalt in 3 Sätzen: Die erfolgreiche Schriftstellerin Delphine de Vigan lernt auf einer Party eine faszinierende Frau kennen, von der sie sich auf der Stelle verstanden fühlt. Zwischen der charmanten L. und ihr entwickelt sich eine enge Freundschaft, die vor allem vom intensiven Austausch über Literatur und Filme lebt. Als Delphine in eine schwere Schreibkrise und Depression gerät, ist es L., die ihr einerseits mit großer Hilfsbereitschaft zu Seite steht und in ihrem Namen E-Mails und Anfragen des Verlags beantwortet, andererseits jedoch scheinbar auch nicht ganz uneigennützige Ziele zu verfolgen scheint…

Lieblingszitat: „L. verschmolz mit ihrer Umgebung, als wäre sie immer schon da gewesen. Ihre Anwesenheit war für mich in gewisser Weise tröstlich, das kann ich nicht leugnen. Wir waren uns nah. Wir waren Komplizen. […] Denn nur sie wusste, dass ich außerstande war, eine Zeile zu schreiben oder auch nur einen Stift zu halten. […] L. beantwortete an meiner Stelle alle beruflichen und administrativen Schreiben. Wir lehnten Treffen und Schreib-Angebote ab. Wir weigerten uns, über die Themen zu sprechen, zu denen Schriftsteller häufig befragt wurden. Wir waren mitten in der Arbeit.“

Was den Roman „Nach einer wahren Geschichte“ von Anfang so beklemmend macht: Die vermeintlich gute Freundin L. nistet sich immer mehr im Leben der Schriftstellerin ein, manipuliert sie und scheint sie über kurz oder lang ersetzen zu wollen. Die Handlung deckt nach und nach auf, wie sich die Protagonistin Delphine immer weiter in diese gefährliche Abhängigkeit begibt, aus der sie sich aus eigener Kraft nur schwer wieder befreien kann. Wie wird das noch ausgehen? Was bezweckt L. mit ihrem manipulativen Verhalten? Das sind zwei der elementaren Fragen des Romans, die auch ich mir beim Lesen immer wieder gestellt habe. Spätestens im letzten Drittel steigert sich „Nach einer wahren Geschichte“ zu einem nervenaufreibenden düsteren Psychothriller, als L.s betrügerischer Charakter endgültig zum Vorschein kommt.

Gleichzeitig handelt es sich bei Delphine de Vigans neuestem Werk auch um eine umfassende Reflektion über das Verhältnis von Schein und Sein, Fiktion und Wirklichkeit und welche Aufgabe die Literatur heutzutage dabei spielt. Allein der sehr sprechende Titel „Nach einer wahren Geschichte“ spielt mit der heute weit verbreiteten Meinung, dass authentische Literatur auf wahren Begebenheiten beruhen muss, um als solche zu gelten.

Dieses Buch ist für alle Leser, die einen inspirierenden, abgründigen und spannenden Psychothriller lesen möchten, der durchaus auch philophische Seiten behandelt und auf sehr intelligente Weise mit den Vorstellungen von Wahrheit und Fiktion spielt. Immer wenn man sich sicher ist, das Geschehen und die geschilderten Figuren durchschaut zu haben, öffnet sich wieder eine Falltür. Spätestens das uneindeutige Romanende regt den Leser schließlich dazu an, die Handlung eigenständig zu ordnen und sich zusammenzureimen, was nun eigentlich passiert ist – oder was vielleicht gänzlich der Fantasie der Protagonistin (und Schriftstellerin?) entsprungen ist.

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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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