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Ausstellungstipp: Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht – Städel Museum Frankfurt

Ausstellungansichten "Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht" Städel Museum (© Städeö Museum Frankfurt am Main)

Spätestens seit der Erfolgsserie “Babylon Berlin” liegen die Zwanziger Jahre im Trend. Das große Interesse für die faszinierende und widersprüchliche Ära der Weimarer Republik bleibt auch in der Kunstwelt nicht aus. Noch bis zum 17. März 2019 präsentiert das Frankfurter Städel Museum die Werke der – leider lange in Vergessenheit geratenen – Künstlerin Lotte Laserstein. Die umfassende Einzelausstellung “Von Angesicht zu Angesicht” widmet sich vor allem ihren einfühlsamen Porträts aus den 1920er und 1930er Jahren, die den Höhepunkt ihres Schaffens darstellen. Anhand von rund 40 Gemälden und Zeichnungen nimmt die Ausstellung nicht nur Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick, sondern berichtet in erkenntnisreichen Infotafel von ihrem privaten Schicksal. Denn die Nationalsozialisten diffamierten ihre Kunst “als entartet”, vor allem wegen ihrer jüdischen Herkunft. Aus diesem Grund flüchtete sie in den späten 1930er Jahren nach Schweden, wo sie – wenn auch unter erschwerten Exil-Bedingungen als Landschaftsmalerin – und Porträtistin weiterhin schöpferisch tätig war und schließlich im Alter von 94 Jahren verstarb.

Lotte Laserstein: Porträtistin ihrer Zeit

Anders als ihre Künstlerkollegin und Zeitgenossin Jeanne Mammen stürzte sich Lotte Laserstein in den 1920er Jahren nicht in das wilde und berühmt-berüchtigte Berliner Nachtleben, sondern widmete sich in ihrer Kunst voll und ganz dem Porträt. Vor allem Abbilder der “modernen Frau” mit sportlichem Bubikopf und Tennisdress zählen zu ihren beliebtesten Motiven. Politische Momente finden sich in ihrem Werk, anders als bei anderen Künstlern der sog. “Neuen Sachlichkeit”, eher selten. Lediglich ihr berühmt gewordenes Gemälde “Abend über Potsdam“ aus dem Jahr 1930 fängt die melancholische und nahezu resignierte Stimmung einer Abendgesellschaft über den Dächern von Potsdam ein und kann als Kommentar zur politischen Situation verstanden werden. Die Ausstellung “Von Angesicht zu Angesicht” zeigt einen Querschnitt aus dem Werk dieser großen Porträtistin der Weimarer Republik und verhilft der Künstlerin zum späten (wohlverdienten) Ruhm. Sehr sehenswert!

Lotte Laserstein (1898–1993) Abend über Potsdam, 1930 Öl auf Holz, 111 x 205,7 cm Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Roman März © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Lotte Laserstein (1898–1993)
Abend über Potsdam, 1930
Öl auf Holz, 111 x 205,7 cm
Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Roman März
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht.
Städel Museum Frankfurt am Main
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main

Di, Mi, Sa, So: 10.00–18.00 Uhr
Do, Fr: 10.00–21.00 Uhr
Mo: geschlossen

Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. März 2019.

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    4 KOMMENTARE

  • Eva Wißkirchen 22. November 2018 Reply

    Sehr interessant, macht einen äußerst sehenswerten Eindruck. Schade, dass ich so bald nicht nach Frankfurt kommen werde. Trotzdem vielen Dank, dass Du mich auf diesem Wege auf die Künstlerin aufmerksam gemacht hast!

    • Deborah 22. November 2018 Reply

      Danke, das freut mich, dass ich dich auf die Ausstellung/Künstlerin aufmerksam machen konnte 🙂

  • Eva 22. November 2018 Reply

    Und nun kommt die Ausstellung nach Berlin, wo ich sie wahrscheinlich am Donnerstag Abend ansehen werde – ich freue mich schon! Danke für Deinen Bericht, jetzt habe ich noch mehr Lust hinzugehen! 🙂

    • Deborah 22. November 2018 Reply

      Ja schön, viel Spaß in der Berlinischen Galerie 🙂

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