Literatur

Lesen 2015 – mein persönlicher literarischer Jahresrückblick

truman_capote

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. Wie schon 2013 und 2014 möchte ich auch in diesem Jahr in meinem Blog auf mein persönliches Lesejahr zurückblicken. Vielleicht ist für Euch ja noch die eine oder andere Geschenkidee dabei? Viel Spaß beim Durchstöbern meiner Leseliste!

Meine Top 3:

1. Markus Werner – Am Hang

Markus Werner - Am HangGanz klar: meine persönliche Nummer 1. Kann einfach gar nicht anders sein. Dieses Buch hat mich im Sommer sofort in seinen Bann gezogen, manchmal hätte ich fast vergessen rechtzeitig aus der S-Bahn auszusteigen – kurzum: wirklich verdammt spannend geschrieben und dabei auch durchaus tiefgründig. Erzählt wird die (schicksalshafte) Begegnung zweier Männer, die sich während eines Urlaubs immer näher kommen und in einem immer intimer werdenden Gespräch über die Liebe und das Leben mehr Gemeinsamkeiten entdecken als ihnen lieb ist. Einfühlsam geschildert – großartig!
–> Hier geht’s zu meiner begeisterten Rezension.

 

2. Iwan Gontscharow – Herrlichste, beste, erste aller Frauen

Iwan Gontscharow - Herrlichste, beste, erste aller FrauenNicht nur ein sehr schönes Buch – türkisblau, mit weichem Leineneinband (ja, ich liebe ästhetisch gestaltete Bücher), auch der Inhalt hat mich überzeugt. In diesem Bändchen sind Iwan Gontscharows Liebesbriefe an die Moskauer Adelige Jelisaweta Tolstaja versammelt. Durch jede seiner sorgsam komponierten Briefzeilen schimmert seine leidenschaftliche Liebe zu der bildhübschen Frau durch – eine Liebe, die jedoch sehr zu seinem Bedauern nicht erwidert wurde. Mehr als Freundschaft wurde nicht draus – wir Leser können uns allerdings freuen, dass wir heute immerhin in den romantischen Briefen lesen können. Wenn ein Mann so schreiben kann…hachja…seufz!

3. Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts

in_zeiten_des_abnehmenden_lichts„DDR-Buddenbrooks-Roman“ stand hinten im Klappentext, doch zum Glück ließ ich mich davon dann doch nicht abschrecken – sonst hätte ich einen außergewöhnlichen Roman verpasst. Eugen Ruge widmet sich in seinem Roman 4 Generationen einer Familie, die allesamt mehr oder weniger mit dem Sozialismus konfrontiert werden. Der Autor springt dabei immer wieder in die verschiedenen Zeitebenen und zeigt auf diese Weise, wie sich politische Ideologien, aber auch persönliche Einstellungen wandeln können. Trotz der recht komplexen Figurenstruktur des Romans ist es dem Autor gelungen, dass man als Leser nie den Überblick verliert. Jede Figur bleibt auf ihre eigene Art im Gedächtnis und tragen zu einem spannenden Leseerlebnis bei. Hier habe ich schon mal über das Buch geschrieben.

Lieblingsbuchcover: Paul Theroux – Der Fremde im Palazzo d’Oro

palazzo_d_oroDieses Buch habe ich spontan als „perfektes Swimmingpool-Buch“ bezeichnet – anders kann man „Der Fremde im Palazzo d’Oro“ mit dem hübschen Einband in Kombination mit dem schicken Foto eigentlich meiner Meinung nach auch gar nicht treffender beschreiben. Und der Inhalt? In diesem Roman geraten die Gefühle in der brütenden sizilianischen Sommerhitze ordentlich in Wallung: ein junger Kunststudent lernt ein sonderbares Paar kennen und verstrickt sich in eine fatale Ménage-à-trois. Mir hat vor allem der sehr bildreiche Schreibstil gefallen. Der Autor (u.a. auch Reisebuchautor) bringt die zwischenmenschlichen Spannungen und Abhängigkeiten gut auf den Punkt – bis zum überraschenden Ende, das ich Euch jetzt lieber nicht verrate. 😉

–> Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.

Denkwürdige Worte

All your secret fears
that are hiding in your head,
now let them go.
Now let them go.

Just a fragile thought
is enough to turn the world.
All your hopes are holding on
for a chance to see a new life.

Aus dem Songtext: Rökkurró – Blue Skies (und übrigens auch ein wunderschönes Lied)

Autoren, die ich im Auge behalten werde

1. Richard Yates

Richard Yates - Eine strahlende Zukunft Richard Yates

Hab gerade letzte Woche seinen Roman „Eine strahlende Zukunft“ ausgelesen, der mich definitiv neugierig auf mehr gemacht hat. Der Autor von „Zeiten des Aufruhrs“ (vor ein paar Jahren sehr eindrucksvoll verfilmt worden) widmet sich auch in diesem Roman dem großen Thema des Scheiterns. Nahezu alle Figuren in „Eine strahlende Zukunft“ haben zu Beginn große Ambitionen, wollen es nach ganz oben schaffen und streben eine glänzende Laufbahn als freischaffende Künstler an. Bloß nicht mittelmäßig sein! Als Leser begleiten wir sie bei ihren (meist) erfolglosen Versuchen, sich ihre Wünsche zu verwirklichen und sehen dabei zu, wie sich ihre Träume Schritt für Schritt in Luft auflösen. Yates ist hierbei meiner Meinung nach ein sehr einfühlsamer Beobachter, der es schafft, die Spannung auf über 500-Seiten-Roman aufrecht zu erhalten. Seine weiteren Romane (hab ich wohl noch einiges vor mir) schreibe ich mir definitiv auf meine lange Lese-Liste.

Leo Tolstoi

2. Die Russen

Im letzten Jahresrückblick hatte ich es mir vorgenommen – und ich hab es wirklich durchgezogen! Ich wollte mehr Russen lesen und in diesem Jahr habe ich sie wirklich verschlungen. Dostojewkis „Spieler„, Turgenjew, Nabokov, Gontscharow und Jerofejew – hui, da war einiges dabei. Ich habe es sehr genossen und werde wohl auch 2016 weiter die Augen offen halten nach talentierten russischen Literaten.

Truman Capote

3. Truman Capote

Truman Capote - Wo die Welt anfängtJa, keine Überraschung, ich weiß. Aber es hat schon seine guten Gründe, warum ich damals diesen Blog nach einem seiner Romane benannt habe. Capote ist und bleibt einfach einer meiner Lieblinge, da er ein großer Sprachkünstler ist, sehr plastisch und lebensnah schreibt und es immer wieder schafft, mich mit seinen skurrilen und sonderbaren Außenseiterfiguren zu begeistern. Gerade heute habe ich mir den Erzählungsband „Wo die Welt anfängt“ gekauft. Diese enthalten Capotes Jugenderzählungen. Bin schon sehr gespannt!

Lieblingsklassiker: Eduard von Keyserling – Wellen

Eduard von Keyserling - WellenLesen ist auch ein Weg in vergangene Epochen zu reisen: Eduard von Keyserlings „Wellen“ entführt uns in das frühe 20. Jahrhundert und schildert das sommerliche Leben in einem Badeort an der Kurischen Nehrung. Die scheinbare Urlaubsidylle wird gestört als der freidenkende Maler Hans Grill und seine Frau, die Gräfin Doralice, auftauchen. In der sehr konservativen Gesellschaft ist diese nicht standesgemäße Ehe überhaupt nicht gern gesehen, doch im Laufe der Handlung wagen einzelne Figuren den zaghaften Versuch aus den starren moralischen Konventionen auszubrechen. Keyserling schildert dies alles so, dass man auch als heutiger Leser noch viel über das Geschriebene nachdenken kann. Der Wunsch nach Freiheit und Selbstverwirklichung sowie die Frage, was im Leben für einen persönlich wirklich wichtig ist – diese und viele weitere im Roman angesprochenen Themen sind auch im 21. Jahrhundert noch modern. Und kaum einer hat sie so treffend auf’s Papier gebracht wie der leider viel zu wenig beachtete Schriftsteller Eduard von Keyserling.

Schönste Zufallsentdeckung: Alfred Hayes – In Love

Alfred Hayes - In LoveAlfred Hayes – noch nie gehört? Dann geht es Euch wie mir vor gut einem halben Jahr. Ich bin wirklich froh, dass mir dieses Buch – natürlich auch wieder durch sein tolles Cover – durch Zufall ins Auge sprang. Der Autor schildert in diesem Roman eine komplizierte Liebesbeziehung  und schafft es dabei eine  wunderbar melancholische Atmosphäre heraufzubeschwören. Mir hat außerdem auch sehr der nahezu filmische Schreibstil gefallen. Muss ich echt mal schauen, was Alfred Hayes noch so geschrieben hat.
–> Hier könnt Ihr meine ausführliche Rezension lesen.

Ich bin nicht warm geworden mit…

J.D. Salinger - Neun ErzählungenSalingers Erzählungen. Ich weiß auch nicht, woran es lag, aber irgendwie haben mich diese überhaupt nicht so gepackt wie sein Coming-of-Age-Roman „Der Fänger im Roggen“. Es passiert mir echt selten, aber dieses Buch hab ich nach der ungefähr dritten gelesenen Story beiseite gelegt. Die Figuren blieben mir verschlossen und das, was mir der Autor durch seine Zeilen mitteilen wollte, auch. Schade. Aber auch solche Erlebnisse gehören zu jedem Lesejahr dazu.

Diese Bücher stehen auf der (Wunsch-)Liste für’s nächste Jahr:

Wieder eine Menge. Daher nur kurz und knapp ein paar Buchcover.

Christopher Isherwood - Goodbye to Berlin Wolfgang Herrndorf - Sand Die Kunst ein kreatives Leben zu führen Truman Capote - In Cold Blood

Wie sieht’s bei Euch aus? Welche Bücher haben Euch in diesem Jahr besonders gut gefallen, welche vielleicht auch nicht? Ich würde mich sehr über Eure Kommentare freuen! Ist doch immer schön, neue Anregungen zu bekommen. Bis bald, Eure Deborah

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  • Meine aktuelle Lektüre: "Konzert ohne Dichter" von Klaus Modick. Schön geschriebener Künstlerroman über den Jugendstilmaler Heinrich Vogeler, den doch sehr exzentrischen Rilke und andere Worpswede-Künstler. Den passenden Lesetisch hab ich witzigerweise neulich in einem Café gefunden. (Als wäre er für die Lektüre dieses Buchs gemacht worden, oder? ;))
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