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Vive la France! Gute Literatur aus Frankreich

Literatur aus Frankreich

Nur noch wenige Tage – dann tummeln sich wieder Buchliebhaber und Verlagsmitarbeiter aus der ganzen Welt auf der Frankfurter Buchmesse. Obwohl ich ja Buchbloggerin bin und somit spielend leicht an ein Fachbesucher-Ticket gelangen würde, hat mich dieses Jahr eine kleine Messe-Müdigkeit überkommen. Gerade letztes Jahr hat mich die Messe längst nicht mehr so sehr begeistert wie in den Jahren zuvor. Ich werde diesmal also einfach zuhause bleiben und das Getümmel aus der Ferne beobachten. Vielleicht tut so eine Pause vom ganzen Messerummel ja auch mal ganz gut.

Frankreich ist dieses Jahr Gastland. Ein Grund mehr, dies zum Anlass zu nehmen, sich wieder mehr mit Literatur aus Frankreich zu beschäftigen. Die „Grande Nation“ hat seit jeher bedeutende Schriftsteller und eindrucksvolle literarische Werke hervorgebracht. Wusstet Ihr etwa, das bereits 15 französische Autoren den begehrten Nobelpreis für Literatur einheimsen konnten? Auch in mein Bücherregal haben es spätenstens während meines Literaturstudiums viele weltberühmte Klassiker der französischen Literatur geschafft. Doch auch die zeitgenössische Literatur ist immer wieder für Entdeckungen gut. Einige meiner persönlichen Favoriten aus dem schönen Frankreich möchte ich Euch hier kurz und knackig vorstellen. Ich wünsche Euch eine anregende Lektüre und allen, die zur Buchmesse fahren: Bon voyage und natürlich jede Menge tolle Eindrücke und Begegnungen!

Für melancholische Romantiker: Nobelpreisträger Patrick Modiano

Spricht eigentlich noch jemand von Patrick Modiano? Eher weniger, oder? Eigentlich schade, denn 2014 bekam er den Nobelpreis für Literatur verliehen. Auch ich begab mich damals auf kleine Modiano-Entdeckungstour und las gleich mehrere seiner Romane. Das Gefühl von Nostalgie und Melancholie in seinen Werken heraufzubeschwören: Das kann Modiano ziemlich gut. Ich würde sogar sagen: Es ist sein Spezialgebiet. Modianos Romane spielen meistens in Paris und behandeln zum größten Teil Erinnerungen und den Versuch, die eigene Vergangenheit zu bewältigen. Ob vergangene Liebschaften, die erneut ans Tageslicht gelangen oder melancholische Erinnerungen an die gute alte Zeit: In seinen Werken schwingt immer eine große Portion Wehmut mit. Vielleicht gerade jetzt im Herbst das Richtige, um es sich zuhause auf dem Sofa gemütlich zu machen und sich ganz der Melancholie hinzugeben? Hier und hier habe ich zwei seiner Romane besprochen.

Erhielt 2014 den Nobelpreis für Literatur: Patrick Modiano

Erhielt 2014 den Nobelpreis für Literatur: Patrick Modiano

Kritischer Geist und feiner Beobachter: Michel Houellebecq

Eine Literaturliste ohne Houellebecq? Würde mir irgendwie unvollständig vorkommen. Und gerade deshalb findet er hier auch seinen verdienten Platz. Ob seine früheren Romane wie Elementarteilchen oder sein in jüngster Zeit vieldiskutierter dystopischer Gesellschaftsroman Unterwerfung: Einen waschechten Houellebecq zu lesen ist aus intellektueller Sicht bestimmt keine leicht verdauliche Kost, aber immer wieder lohnenswert. Provokant und gleichzeitig dennoch sensibel genug, um auch die feinen Zwischentöne einzufangen – seine Texte verfügen genau über diese interessante Mischung, die man nur selten in dieser Kombination findet. Ich bin definitiv gespannt auf weitere Werke des „Enfant terrible“ der französischen Literatur.

Frankreichs Skandal-Intellektueller: Michel Houellebecq

Frankreichs Skandal-Intellektueller: Michel Houellebecq

Zwischen den Zeilen: Yasmina Reza

Ich kann es nur immer wieder sagen: Yasmina Rezas Theaterstück Gott des Gemetzels hat mich einfach umgehauen. Die Handlung um zwei Ehepaare, die sich wegen der Schlichtung eines Streits zwischen ihren Kindern treffen, ist zwar eigentlich recht simpel. Doch schafft es Reza in ihrem Werk auf beachtliche Weise, einen Blick hinter die (bürgerliche) Fassade zu werfen und das wahre Wesen der vorgestellten Protagonisten zu offenbaren. Ihr Stück hat genau das richtige Tempo und verfügt über brillante Dialoge, bei denen einem das eine oder andere Mal das Lachen im Hals stecken bleibt. Bitterböse und abgründig: Ob in Buchform oder auf der großen Theaterbühne: Yasmina Rezas Texte – allen voran der Gott des Gemetzels – lohnen sich sehr!

Geniales Stück, großartige Dialoge: Der Gott des Gemetzels

Geniales Stück, großartige Dialoge: Der Gott des Gemetzels

Liebe, Lust und Leidenschaft: Klassiker der französischen Literatur

Darf’s mal etwas Klassisches sein? Dann seid ihr mit Literatur aus Frankreich definitiv richtig bedient. Gerade der Gesellschaftsroman ist eine Disziplin, die die Franzosen seit jeher perfekt beherrschen. Im Studium habe ich beispielsweise intensiv mit Gustave Flauberts Ehebruchroman Madame Bovary beschäftigt – und dieses Werk sofort in mein Herz geschlossen. Flaubert erzählt hier ganz ohne moralische Wertungen von einer jungen Frau, die sich das Eheleben mit einem deutlich älteren Mann so ganz anders vorgestellt hatte – und sich Hals über Kopf in eine Affäre und schließlich auch in ihren eigenen Abgrund stürzt. Ein großer französischer Roman voller Dramatik und Leidenschaft, der auch in ästhetischer Sicht vor intelligenten Symbolen und Verweisen nur so strotzt. Ein Klassiker zum immer wieder Lesen!

Fiese Machenschaften und leidenschaftliche Liebesaffären lassen sich auch im weltberühmten Klassiker Gefährliche Liebschaften (oder auch: Schlimme Liebschaften) erleben. In diesem französischen Briefroman werden wir in 175 Briefen Zeuge von hinterlistigen Intrigen, die von den zwei durchtriebenen adligen Hauptfiguren – der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont – ohne Rücksicht auf Verluste vollzogen werden. Hochspannend und voller großer Gefühle: Nicht ohne Grund wurde dieser Klassiker aus dem 18. Jahrhundert (!) bereits mehrmals erfolgreich auf die große Kinoleinwand gebracht.

Zeitlose Klassiker der französischen Literatur

Zeitlose Klassiker der französischen Literatur

Literatur aus Frankreich: Welche Werke und Autoren zählen zu Euren absoluten Favoriten? Welche Bücher würdet Ihr mir noch empfehlen? Ich freue mich über Eure Kommentare und Anmerkungen.

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    2 KOMMENTARE

  • Schurrmurr 9. Oktober 2017 Reply

    Danke für die interessanten Lestips….sehr inspirierend.
    LG schurrmurr

  • Ursula Heimann 9. Oktober 2017 Reply

    Zu meinen Lieblingsbüchern aus Frankreich gehören: Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Balzac, Verlorene Illusionen, Gustave Flaubert, L’Education sentimentale (in deutscher Sprache „Lehrjahre des Gefühls“ oder „Die Erziehung des Herzens“) und Louis Aragon, „Aurélien“. Natürlich auch „Madame Bovary“. Und Stendhal „Die Kartause von Parma“.
    Im Fernsehen sehe ich gerne die Sendung „La grande Librairie“ auf TV5 monde. Da kann man viele französische Autoren der Gegenwart kennenlernen. Kürzlich war dort Anne Wiazemsky, die Tochter von Francois Mauriac. Ich habe daraufhin ihren Roman „Mein Berliner Kind“ mit Interesse gelesen.

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  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
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  • #Charlottenburg hat einfach die schönsten Kinos. Hier war ich gestern im altehrwürdigen #CinemaParis, das sich in seinem Programm vor allem auf französischen #Arthouse konzentriert. Ich hab mir Hanekes neuen Film "Happy End" angesehen... Schwer verdaulich, bedrückend, also definitiv ein Film, der nachwirkt. Mehr dazu bald im Blog.
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  • Hände hoch: Wer beobachtet auch gerne Menschen? ✋ 😉 Vicki Baum hat genau dies für ihren Roman #MenschenimHotel gemacht und beschreibt, welche Persönlichkeiten in einem mondänen Hotel im Berlin der 1920er Jahre aufeinandertreffen. Unterhaltsam, pointiert, humorvoll, aber auch mit Tiefgang erweckt Baums Roman auch heute noch die ganz besondere Atmosphäre der "Goldenen Zwanziger" zum Leben. Meine Rezension lest Ihr im Blog -> #linkinbio
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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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